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Die Erforschung der Kastelle von Osterburken

1838 - 1892

Karl Wilhelmi und der Sinsheimer Altertumsverein (1838)

Vom 16. bis 21. Juli 1838 grub der Sinsheimer Altertumsverein in Osterburken. Erst wurde die sogenannte villa, ein römisches Wohngebäude westlich der Stadt (heute Kohortenweg) freigelegt.

Die Grabungen wurden dann an der Umwehrung des Annexkastells und innerhalb des Kohortenkastells fortgesetzt.

Karl Wilhelmi beschrieb das erste Mal Befunde, die auf eine ErstĂĽrmung des Kastells Osterburken an der SĂĽdecke hinwiesen. Die Funde der Grabung gelangten in die GroĂźherzogliche Sammlung in Karlsruhe und sind heute im Badischen Landesmuseum inventarisiert.

 

Literatur: 

  • Karl Wilhelmi, Siebter Jahresbericht an die Mitglieder der Sinsheimer Gesellschaft zur Erforschung der vaterländischen Denkmale der Vorzeit (1840) 73ff.
    Download Grabungsbericht

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Der Mannheimer Altertumsverein (1867-1874)

Bei den Grabungen im Kastell wurden zahlreiche und bedeutende Funde geborgen, die sich noch heute im ReiĂź-Engelhorn-Museum Mannheim befinden. Leider ging die Dokumentation der Grabung verloren. Besonderer Verdienst ist die Erstellung des ersten Gesamtplans des Kastells und die Feststellung, dass sich in Osterburken zwei Kastelle befinden.

Die Grabungen beschränkten sich nicht allein auf das Kastellgelände, auch an LimestĂĽrmen wurden Schnitte angelegt (sicher WP 08/37 "Welscher Buckel").

 

Literatur: 

  • A. v. Cohausen, Der römische Grenzwall in Deutschland. Militärische und technische Beschreibung desselben (Wiesbaden 1884) 30 und Taf. L.
    Download

 

 

1892 - 1910

Die Grabungen der Reichslimeskommission (1892)

Als im Jahr 1892 die Reichslimeskommission ihre 10jährige Grabungsarbeit aufnahm, wurde Karl Schumacher vom Großherzogtum Baden als Streckenkommissar der in Baden gelegenen Limesabschnitte des Odenwald- und des Vorderen Limes abgestellt.

Schumacher begann seine Arbeit in Osterburken, ab August 1892 grub er im Kastell. Die Forschungen beschränkten sich auf wenige, sorgsam gewählte Punkte. Die Kastelltore wurden an- nicht ausgegraben, im Inneren einige Schnitte angelegt und das Stabsgebäude verfolgt. Schon 1895 erschien die Grabungspublikation als eine der ersten Lieferungen des Gesamtwerken "Der obergermanisch-raetische Limes".

 

Literatur:

  • K. Schumacher, 15. Osterburken (Baden), Limesblatt 1892, 39–43. (Download)

 

Freilegung der SĂĽdmauer (1895-1897)

1895 beschloss der Stadtrat von Osterburken auf Anregung des AltbĂĽrgermeisters Julius Hofmann die Errichtung eines Kriegerdenkmals fĂĽr die Teilnehmer des Krieges 1870/71. Dieses sollte bei dem 1893 nach den Grabungen der Reichslimeskommission durch das GroĂźherzogtum Baden konservierten SĂĽdtor des Annexkastells stehen.

Im gleichen Jahr begannen die Freilegungsarbeiten: Unter der Leitung von Julius Hofmann legten Osterburkener BĂĽrger die Wehrmauer frei und hoben den vorgelagerten Graben aus. Auf Kosten des badischen Staates wurde die gesamte SĂĽdseite des Annexkastells bis 1897 sukzessive konserviert - insgesamt mehr als 120m der Kastellmauer. 

Im Wehrgraben fanden sich die fĂĽr die Kastellgeschichte bedeutendsten Funde:

  • Im Bauschutt der Kastellmauer lagen noch vier Bauinschriften der legio VIII Augusta, die die Errichtung des Annexkastells in die Jahre 185-192 n. Chr. datieren. Dazu die Bogensteine mehrerer Fenster, die RĂĽckschlĂĽsse zum Aussehen der Mauergliederung zulassen.
  • Auf der Grabensohle an der SĂĽd-Ecke befand sich eine mächtige Brandschicht, aus der menschliche Knochen und Waffen mit Kampfspuren geborgen wurden. Ăśber 100 Pfeil- und Speerspitzen germanischer Provenienz zeugen von einem verheerenden Angriff germanischer Krieger. MĂĽnzen datieren dieses Geschehen in die Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr.
  • Vor dem Eckturm der SĂĽdost-Ecke waren landwirtschaftliche Geräte aus dem 5. Jahrhundert n. Chr. vergraben und zeugen von einer Wiederbesiedlung im FrĂĽhmittelalter. 

Literatur:

  • K. Schumacher, Germanische Waffen aus vormerovingischer Zeit, WDZ XV, 1896, 65–67. (Download)
  • K. Schumacher, 161. Osterburken. [Bauinschriften vom Kastell.], Limesblatt 1897, 667–668. (Download; online)
  • K. Schumacher, Neues vom Limeskastell Osterburken, Beil. z. Allgemeinen Zeitung 6.7.1897, 1–3. (Download)

 

Literatur

Literaturliste Kastell Osterburken

  • Cohausen 1884 (Download)
    A. v. Cohausen, Der römische Grenzwall in Deutschland. Militärische und technische Beschreibung desselben (Wiesbaden 1884) 30 und Taf. L.

  • Schumacher 1892 (Download)
    K. Schumacher, 15. Osterburken (Baden), Limesblatt 1892, 39–43.

  • Schumacher 1896 (Download)
    K. Schumacher, Germanische Waffen aus vormerovingischer Zeit, WDZ XV, 1896, 65–67.

  • Schumacher 1897a (Download)
    K. Schumacher, Neues vom Limeskastell Osterburken, Beil. z. Allgemeinen Zeitung 1897, 1–3.

  • Schumacher 1897b (Download)
    K. Schumacher, 161. Osterburken. [Bauinschriften vom Kastell.], Limesblatt 1897, 667–668. (online)

  • Wagner 1911 (Download)
    E. Wagner, Fundstätten und Funde aus vorgeschichtlicher, römischer und alamannisch-fränkischer Zeit im GroĂźherzogtum Baden II (1911) 430-443.

  • Wilhelmi 1840 (Download)
    K. Wilhelmi, Siebter Jahresbericht an die Mitglieder der Sinsheimer Gesellschaft zur Erforschung der vaterländischen Denkmale der Vorzeit (1840) 73ff.

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04. November 2018

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